Bosnien & Montenegro

Bosnien & Montenegro​

Endlich unterwegs!

Janniks Sicht

Regen und Stress. Diese beiden Dinge waren es wohl, die unsere Abfahrt aus Deutschland am meisten prägten. Für den Stress sorgte das Auslaufen unserer deutschen Krankenversicherung, das uns zum Ende unserer Vorbereitungen noch etwas unter Zeitdruck brachte, ersterer sorgte für unseren ersten Zwangs-Übernachtungsstopp aufgrund immer schlechter werdenden Sichtbedingungen auf der Straße. Während sich der Stress langsam legte (wenn auch nicht unbedingt der Ärger mit Versicherungen…), sollte uns der Regen nach Wochen voller Sonnenschein leider noch eine Weile begleiten. Aber von vorn: Am 20.08.2022 ging es endlich los und ab auf die Straße! Nachdem wir beschlossen hatten, Kroatien und Slowenien aufgrund des vermuteten Sommerferien-Überangebots deutscher Tourist*innen größtenteils zu überspringen, erreichten wir nach einem kleinen Zwischenstopp auf der Durchreise bei Caros urlaubenden Eltern (die damit wohl unangefochten an der Spitze der häufigsten Verabschiedungen stehen dürften), an einem kleinen Bach in Slowenien (der zu unserer Überraschung wohl die erste Sehenswürdigkeit unserer Reise war – immer wieder kamen Tourist*innen, die sich davor fotografierten. So ganz verstanden wir die Faszination bis zuletzt nicht…) und an einem sehr schönen Fluss in Kroatien (offensichtlich keine Sehenswürdigkeit, dafür aber mit deutlich mehr Badepotential) unser erstes Ziel: Bosnien und Herzegowina! Schon direkt hinter der Grenze deutete sich an, welch wunderschöne Natur Bosnien zu bieten hat und so war schon die Fahrt nach Jajce eine sehr schöne Einstimmung auf die kommenden Tage. In Jajce angekommen machten wir uns erst einmal auf die Suche nach einer Polizeistation, da man sich bei einer solchen in Bosnien bis spätestens zwölf Stunden nach der Einreise gemeldet haben muss. Diese war schnell gefunden, ebenso wie ein freier Parkplatz. Dass es aber ganz so einfach doch nicht sein kann, machte uns ein Polizist direkt mit der Aussage „No parking! Policija!“ deutlich. Ist doch gut, dachten wir, denn genau zu der wollten wir ja. Dass wir offensichtlich die Parkplätze für die Einsatzwägen benutzen wollten, war weder am Parkplatz noch an den dort parkenden Autos ersichtlich, aber dann nahmen wir eben einen Parkplatz zehn Meter weiter. Weit weniger bedeutsam als die Parkplatzwahl war offensichtlich die (unbedingt notwendige!!!) Registrierung. Wir sollten am nächsten Tag wiederkommen, nachmittags arbeite daran niemand mehr. Zwölf Stunden sind offensichtlich eine Frist, die auch bosnische Behörden vor Probleme stellt… Damit konnten wir uns also dem sehr netten Städtchen Jajce widmen, schlenderten durch die Altstadt des ehemaligen Königssitzes mit ihrem Wahrzeichen, einem über 20 Meter hohen Wasserfalls, und beobachteten Tourist*innen, die sich schreiend und etwas desorientiert über die nahegelegene Schlucht zip-lineten.
Nach einer Übernachtung am nahegelegenen See machten wir uns am nächsten Morgen wieder auf zur Polizeistation, von dort zur Post auf der anderen Seite der Stadt, da nur dort die Gebühren bezahlt werden können, und mit dem Nachweis über die bezahlten Gebühren wieder zurück zur Polizeistation. Als nun vollständig legale Bosnien-Reisende (damit waren wir wahrscheinlich auch die einzigen – wir trafen im Anschluss keine weiteren Reisenden, die diese Registrierung vorgenommen hatten, was auch die leicht überraschten Blicke der Beamt*innen erklärte…😉) fuhren wir in die Hauptstadt Sarajevo und machten dabei unsere erste Bekanntschaft mit einer bosnischen Hauptstraße, die streckenweise einem schlaglochübersähten Waldweg erschreckend ähnlich sah… So wurden also auch die Stoßdämpfer endlich einmal ordentlich eingefahren und unser Reisetempo entschleunigte sich fast wie von selbst. Das erste Highlight unseres Sightseeing-Programms in Sarajevo hieß dann: Klinčki Centar Univerziteta u Sarajevu. Damit hatten wir also nach noch nicht einmal einer Woche bereits den Krankenhausbesuch von unserer Reise-Bucket-List gestrichen! Im Krankenhaus selbst wurden wir schließlich immer sehr freundlich von einer Station zur anderen gelotst, bis schließlich eine uha, nosa i grla-Ärztin verschlossene Innenohren diagnostizierte, die Caro das Leben erschwerten und „Wie bitte?“ wohl zum häufigsten Satz der ersten Reisewoche machten. Nachdem das Problem zwar nicht gelöst aber zumindest gefunden wurde, schlossen wir uns einer Free-Walking-Tour  an, um auch den Rest Sarajevos kennenzulernen. Die Stadt begeisterte uns direkt durch ihre tolle Architektur, die geprägt ist von dem Zusammenspiel von osmanischem, österreich-ungarischem und sowjetischem Baustil. Die spannende Geschichte Sarajevos brachte uns Armis näher, ein Jurastudent, der, wie er im Verlauf preisgab, hervorragend Deutsch sprach – und das offensichtlich nur, da er als Kind viel Super-RTL (am liebsten SpongeBob) schaute. Der Bildungswert dieses Senders wird wohl doch dramatisch unterschätzt… Sehr spannend waren neben der Führung vor allem die Gespräche mit Armis abseits der Führung über das bosnische Studierendenleben, bosnische Politik und seine eigene Geschichte.

Jajce
Während des Wartens auf die Uha-Ärztin
Sarajevo

Nach der Hauptstadt ging es für uns zu einem Badestopp in der (sehr kalten) Drina und weiter auf den Maglić, den mit 2389 m höchsten Berg Bosniens. Unter dessen Gipfel übernachteten wir, bevor wir uns am nächsten Morgen an den recht steilen Aufstieg machten. Ein fantastischer Blick und ein Gipfelstein, an dem sich die uninspirierten Kreuze der Alpen mal ein Beispiel nehmen könnten, entlohnten uns dafür aber schnell. Der Maglić liegt in der Nähe von Tjentište im Sutjeska-Nationalpark, wo ein beeindruckendes Denkmal an die siegreichen Partisanen unter der Führung Titos und leerstehende oder nicht fertiggebaute Hotels an enttäuschte Hoffnungen auf einen offensichtlich (noch) nicht einsetzenden Tourismusboom erinnern.

Drina
Partisanen-Denkmal bei Tjentište
Übernachtung am Fuße des Maglić
Maglić

Die Fahrt aus dem Nationalpark führte uns Richtung Mostar und damit vom höchsten Punkt des Landes hinunter auf 60 m über dem Meeresspiegel. Mit Mostar waren einige Hoffnungen verbunden: Zum einen liegt die Stadt wunderschön zwischen zwei Bergmassiven, zum anderen ist Mostar die sonnenreichste und wärmste Stadt Bosniens und klang damit endlich nach dem erhofften Sommerurlaub! In beiden Hinsichten wurden wir nicht enttäuscht – Mostar ist wirklich sehr schön, besonders die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt, Stari Most („alte Brücke“), eine Brücke über die Neretva aus dem 16. Jahrhundert, bietet einen tollen Anblick. Und auch die Temperatur stieg mit jedem Kilometer, den wir uns Mostar näherten, merklich. In Mostar steuerten wir auch den ersten Campingplatz unserer Reise an – vor allem um das WiFi für das längst überfällige Überarbeiten unserer Website zu nutzen. Dass wir dort letztlich mit drei Nächten deutlich länger blieben, als wir eigentlich geplant hatten, lag zum einen an der unfassbaren Gastfreundschaft der betreibenden Familie (zur Begrüßung gab es Bier, Kuchen und Früchte sowie eine Flasche Wein aus der Region) und an ersten Bekanntschaften mit anderen Reisenden, zum anderen zeigte uns Mostar aber auch, dass es nicht nur die sonnen- sondern auch die regenreichste Stadt Bosniens ist und überzog uns mit einem Regenschauer, nach dem wir eine weitere Nacht bleiben mussten, um alles zu trocknen.

Das Derwisch-Kloster Tekija bei Blagaj
Welcome-Drinks auf dem Campingplatz in Blagaj bei Mostar
Stari Most
Optimale Platznutzung in der Hobby-Werkstatt
Počitelj
Kurze Reisebekanntschaft vor der kroatischen Grenze
Fußballfeld in idyllischer Lage

Mostar markierte das Ende unseres Bosnienaufenthalts und wir machten uns auf nach Montenegro. Wir hatten beschlossen, auf dem Weg dorthin noch einem echten Geheimtipp nachzugehen und schoben uns so mit der ein oder anderen Tourst*in durch die Eingangstore zur Altstadt Dubrovniks. So beeindruckend diese auch ist, die unzähligen Game of Thrones-Reisegruppen erschweren den Genuss doch deutlich. So richtig hielt uns dort also nichts, weshalb wir uns recht schnell wieder auf die Küstenstraße begaben, um schon bald in der Bucht von Kotor in Montenegro zu enden. Diese gilt als der südlichste Fjord Europas (sorry, liebe Geographie-Kolleg*innen – wir wissen, dass es genau genommen kein Fjord ist – sieht aber so aus!) und ist wahnsinnig beeindruckend, wie sie sich über einen Kilometer in steile Karstfelsen schneidet. Mit dieser Meinung stehen wir offensichtlich nicht ganz alleine da und so lassen sich auch mehrere Kreuzfahrtschiffe pro Tag diesen Anblick nicht entgehen (und scheinen nebenbei dem Experiment nachzugehen, wie viele dieser Schiffe wohl in die Bucht passen…). In der Bucht verbrachten wir ein paar sehr schöne Tage mit Anika, genossen gemeinsam Sonne und Meer, erduldeten einen weiteren Regentag und freuten uns, schon zu Beginn unserer Reise wieder Heimatgefühle zu bekommen. 🙂

Nach einem kurzen Besuch des Mausoleums von Petar Njegoš und damit mit einer Höhe von 1749 m der höchsten Grabstätte der Welt sowie der alten Hauptstadt Cetinje zog es uns nach Albanien. Auf dem Weg dorthin hielten wir, um einen Tramper mitzunehmen. Ein stieg Predrag – und mit ihm ein Redeschwall, der erst 40 Minuten später in Podgorica, wo wir ihn absetzten, endete. Auf seine anfängliche Warnung, dass es nicht empfohlen sei, nachts Personen mitzunehmen, legitimierte er sich direkt als seriösen Mitfahrer, indem er uns seinen Tourist-Guide-Ausweis zeigte. Nachdem er die Fahrt auf der Rückbank begann, die Distanz zu den Vordersitzen ihn aber absolut nicht zufriedenstellte, setzte er seine Fahrt kurzerhand auf unserem Klo fort, da es sich dort doch wirklich besser unterhalten lässt. Und so wurde unsere Fahrt aus Montenegro noch durch die Geschichten Predrags versüßt, die er durch reichlich Bildmaterial und Gegenstände, die er mit Hilfe seiner Stirnlampe aus seinen Rucksäcken zu Tage förderte, zu visualisieren wusste, wobei er auch keinen Grund sah, weshalb nicht auch Jannik am Steuer all seine Urlaubsbilder sehen sollte. Voller Tipps für unseren nächsten Aufenthalt, ließen wir also mit Montenegro das nächste Land hinter uns (Predrag: „What a pity!“) und erreichten voller Vorfreude Albanien.

Schwimmen in der Bucht von Kotor
Leider auch die Bucht von Kotor...
Kotor
Njegoš-Mausoleum
In welchem Land wohl diese Kirche steht...?

Der Reiseabschnitt in Kürze

Go-to Snack

Sirnica – eine mit Schafskäse gefüllte Variante von Burek und (leider) die einzige vegetarische bosnische Spezialität, die wir finden konnten. Gab es deshalb in Sarajevo zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen.

Begleitung während der Fahrt

Herkunft von Saša Stanišić

 

Was wir am meisten vermissten

Caros Hörvermögen

Unvergesslichste Begegnung

Tramper Predrag

5 Gedanken zu „Bosnien & Montenegro“

  1. Hallo ihr zwei,
    euer Reisebericht liest sich richtig spannend! Großes Kompliment!!!
    Wir freuen uns über ganz viele weitere interessante Geschichten und Erlebnisse aus fremden Ländern, an denen wir teilhaben dürfen!!!
    Liebe Grüße von Petra vs. Muddel

    1. Hallo ihr Weltenbummler,
      vielen Dank für den schon lang ersehnten 🙂 ersten Bericht eures Abenteuers. Er liest sich wie ein spannendes Buch in dem man immer weiter blättern möchte…
      Ich freue mich schon auf die nächsten Seiten.
      Ganz liebe Grüße von
      Annette vs Mutz

  2. Kessi und Fiette Baumbach

    Es ist! ein spannendes (Reise)-Buch, liebe Caro und lieber Jannik, in das wir immer wieder liebend gerne eintauchen werden, um mit euch unfassbar schöne Landschaften, unterhaltsame Begegnungen und aufschlussreiche Länderinformationen mit “erleben‘. Wir sind immer gespannt auf das nächste Ziel, euren besonderen Blick auf alles, was auf eurem Weg liegt. Bleibt gesund und heil (Bully) und bereichert weiterhin unseren Alltag im Mikrokosmos Oeffingen. Ganz liebe Grüße Kessi und Fiette

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